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Greek Ancient Sculpture of Warrior
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Griechenland

RISIKOBEWERTUNG

2024-2026

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Wirtschaftsüberblick

Trotz Rückschlägen durch die Flutkatastrophe in Thessalien und den Waldbränden im Sommer 2023 wächst die Griechische Wirtschaft moderat.

Seit im August 2022 die "erweiterte Überwachung" der Hauptkreditgeber eingestellt wurde, wurde Griechenlands Status als vollwertiges Mitglied der Eurozone wiederhergestellt. Griechenland überraschte, indem es Rettungskredite vorzeitig zurückzahlte, darunter 5,29 Milliarden, die erst 2024 und 2025 fällig gewesen wären. Sogar beim IWF hat Griechenland keine Schulden mehr. Die Kredite von 28 Milliarden Euro wurden bereits 2022 zurückgezahlt – fast zwei Jahre früher als geplant. Griechenland hat seine Schuldenquote um 46 Prozentpunkte gesenkt – laut Moody‘s ein „Weltrekord“.

Insgesamt stabilisiert sich die Lage in Griechenland nach Jahren wirtschaftlicher Krisen, schwerer Rezession, und einer Vielzahl von Herausforderungen wie der Corona-Krise, der Energiekrise sowie Konflikten in der Ukraine und Israel.

Auch die stetig steigenden Flüchtlingszahlen haben ihre Auswirkungen.Grundsätzlich befindet sich die griechische Wirtschaft auf einem guten Weg und blickt optimistisch in die Zukunft. Die EU-Fördermittel und der Tourismus tragen maßgeblich dazu bei.

 

Nach einer Aufstockung der Fördermittel aus dem EU-Aufbaufonds um rund 5 Milliarden Euro stehen Griechenland nun 36 Milliarden Euro in Form von direkten Zuschüssen und Krediten zur Verfügung. Die Auszahlung der Fördermittel setzt die zeitige Umsetzung zahlreicher Reformen voraus. Das betrifft unter anderem die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren oder die Schaffung eines Flächennutzungsplans.

 

Etwa 38 Prozent der Finanzmittel fließen in grüne Technologien und Projekte, beispielsweise in Energiespeicherungsanlagen sowie in Energieeffizienzmaßnahmen für öffentliche, betriebliche und private Gebäude. Rund 22 Prozent stehen bereit für Digitalisierungsprojekte. Ende November 2023 stellte die griechische Regierung den Antrag für die Auszahlung der dritten Tranche aus dem EU-Aufbaufonds in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Der Antrag für die vierte Tranche über 1,7 Milliarden Euro folgt im 1. Quartal 2024.

 

Das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2024 real um 2,3 Prozent wachsen, erwartet die Europäische Kommission in ihrer Herbstprognose. Im Jahr 2025 soll sich das Wirtschaftswachstum fortsetzen.

 

Die Finanzmittel aus dem EU-Aufbaufonds bleiben die treibende Kraft der Wirtschaft, die Investitionen mobilisieren.Im Jahr 2022 hat das Bruttoinlandsprodukt von Griechenland rund 219,24 Milliarden US-Dollar betragen. Für das Jahr 2023 wird das Bruttoinlandsprodukt von Griechenland auf rund 242,38 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Die folgende Statistik zeigt das Bruttoinlandsprodukt von Griechenland im Zeitraum 1981 bis 2022 und Prognosen bis zum Jahr 2028.

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Tabelle 1 (in Milliarden US-Dollar)

statista//Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 1981 bis 2022 und Prognosen bis 2028/ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14398/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-griechenland/

Das Bruttoinlandsprodukt von Griechenland wird laut Prognosen zwischen 2023 und 2028 kontinuierlich um insgesamt 47,6 Milliarden US-Dollar (+19,64 Prozent) steigen. Nach dieser Prognose soll das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2028 zum achten Mal in Folge auf 289,95 Milliarden US-Dollar gestiegen sein.[1]

Die internationale Ratingagentur Scope sowie die amerikanischen Agenturen S&P Global hatten Griechenland bereits im August[2] und Oktober[3] 2023 hochgestuft und im Dezember 2023 erfolgte eine weitere Aufstufung durch die Ratingagentur Fitch, die die Kreditwürdigkeit Griechenlands hoch auf „BBB-“ stufte. Laut Fitch[4] wird die Staatsverschuldung Griechenlands angesichts einer soliden Haushaltspolitik weiter sinken. Der prognostizierte Rückgang der Schuldenquote um 65 Prozentpunkte gegenüber dem Pandemie-Höchstwert von 205 % des BIP gehört zu den besten Leistungen aller von der Ratingagentur Fitch bewerteten Staaten.

Für das Jahr 2023 wird Griechenlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraussichtlich um 2,4 Prozent zulegen, so die Schätzung der EU‑Kommission von November 2023[5]. Damit hat sich die Wirtschaft in Griechenland weitaus besser entwickelt als im Durchschnitt der EU‑Staaten, die nur auf ein mittleres Wachstum von 0,6 Prozent kommen dürften. Auch für das Jahr 2024 stehen die Zeichen auf Wachstum.

Im November 2023 veröffentlichte die griechische Zentralbank die Tourismuszahlen für die ersten drei Quartale 2023. Danach kamen fast eine Million mehr Besucher als im Vergleichszeitraum des bisherigen Rekordjahres 2019. Mit 17,9 Milliarden Euro lagen die Einnahmen 1,8 Milliarden über dem bisherigen Bestwert von 2019.[6]

Der Tourismus trägt rund ein Fünftel zum griechischen BIP bei und ist ein wichtiger Faktor für die griechische Zahlungsbilanz. Der Reiseboom trägt dazu bei, die Arbeitslosenquote zu senken. Sie ist aktuell mit 10 Prozent und liegt auf dem niedrigsten Stand seit 14 Jahren. [7]

Beitragen zum Wachstum sollen vor allem die Investitionen mit einem Plus von 15,1 Prozent gegenüber 2023. Ein Großteil davon geht auf das Konto der Fördermittel aus dem EU‑Aufbauplan Next Generation EU. Griechenland erwartet bis 2027 rund 55 Milliarden Euro aus dem Fonds.[8]

Griechenland hat im Jahr 2022 Dienstleistungen im Wert von rund 29,3 Milliarden US-Dollar importiert und im gleichen Zeitraum Dienstleistungen im Wert von rund 50 Milliarden US-Dollar exportiert. Somit hat Griechenland im Jahr 2022 eine aktive Dienstleistungsbilanz von rund 20,7 Milliarden US-Dollar erzielt. Die Statistik zeigt die Dienstleistungsbilanz von Griechenland aufgeschlüsselt nach Importen und Exporten von 2012 bis 2022.[9]

 

[1] statista // Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Griechenland bis 2028 / https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14398/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-griechenland/

[2] Scope Ratings// Scope upgrades Greece's long-term credit ratings to BBB- and changes the Outlook to Stable / https://scoperatings.com/ratings-and-research/rating/EN/174874

[3] SP Global // Greece Upgraded To 'BBB-/A-3' On An Improved Budgetary Position; Outlook Stable 

[4] Fitch //  https://www.fitchratings.com/research/sovereigns/fitch-upgrades-greece-to-bbb-outlook-stable-01-12-2023

[5] European Union // Wirtschaftsprognose für Griechenland/ https://economy-finance.ec.europa.eu/economic-surveillance-eu-economies/greece/economic-forecast-greece_en?prefLang=de

[6] Handelsblatt // Wie Griechenlands Reisebranche der Klimakrise trotzt / https://www.handelsblatt.com/politik/international/tourismus-wie-griechenlands-reisebranche-dem-extremwetter-trotzt-01/100001534.html

[7] Statista.de // https://de.statista.com/statistik/daten/studie/17312/umfrage/arbeitslosenquote-in-griechenland/

[8] RND // Wie der Reiseboom Griechenlands Wirtschaft wachsen lässt / https://www.rnd.de/wirtschaft/wie-der-reiseboom-griechenlands-wirtschaft-wachsen-laesst-6YUML7AMH5DJ5IYPIMSCXPVFOY.html

[9] Statista.de // https://de.statista.com/statistik/daten/studie/15741/umfrage/dienstleistungsbilanz-von-griechenland/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 2 (in Milliarden US-Dollar)

 

Darüber hinaus war das wichtigste Exportland Griechenlands im Jahr 2022 Italien mit einem Exportanteil von rund 10,4 Prozent an den Exporten, gefolgt von Bulgarien und Deutschland.

Die Statistik zeigt die wichtigsten Exportländer für Griechenland im Jahr 2022.[10]

[10] Statista.com // https://de.statista.com/statistik/daten/studie/204306/umfrage/wichtigste-exportlaender-fuer-griechenland/

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Tabelle 3 - Exportländer Griechenland 2022

GRIECHENLANDS UNTERNEHMENSSEKTOR: STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Für das Jahr 2024 geht die EU-Kommission von einer Inflationsrate in Höhe von 2,8 Prozent aus. Im Vergleich zu 4,2 Prozent im Jahr 2023 ist dieser Wert geringer. Trotzdem steigen die Lebenshaltungskosten weiter an, insbesondere die Lebensmittelpreise: Im Oktober 2023 lagen sie rund 10 Prozent über dem Vorjahresmonat. Auch die Mieten steigen rasant, zwischen 2018 und 2022 um durchschnittlich 40 Prozent. [11]

Umweltkatastrophen zwingen zur Anpassung des EU-Aufbaufonds

Nach der Flutkatastrophe in Thessalien und den Waldbränden im Sommer 2023 sah sich die griechische Regierung gezwungen, die Nutzung der Finanzmittel aus dem EU-Aufbaufonds an die neuen Bedürfnisse anzupassen. Im Vordergrund stehen nun die Wiederherstellung der Straßennetze, der Bahnlinie und der Brücken in Thessalien. In den Bezirken Evros und Rodopi müssen in den von den Waldbränden betroffenen Gegenden Maßnahmen für den Hochwasser- und Korrosionsschutz ergriffen werden.

Griechenland hat eine gut entwickelte Industriestruktur (15% der Wertschöpfung). Es bietet Produkte mit starken komparativen Vorteilen in der Agrar- und Petrochemie. Bei den Dienstleistungen ist der Tourismus der vorherrschende Sektor (mit einem Anteil von rund 20% am BIP). Die Leistungsbilanz Griechenlands weist strukturell ein Defizit auf, ist jedoch in den letzten fünf Jahren nahezu ausgeglichen. Griechenland hat eine starke KMU-Kultur, aufgrund der Tatsache, dass 64% der Wertschöpfung von KMU generiert werden (gegenüber 56% in der Eurozone). Der Unternehmenssektor ist jedoch stark fragmentiert, weil mehr als 95% der griechischen Unternehmen weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen. Für diese kleinen Unternehmen ist es eine Herausforderung, mit der technologischen Innovation Schritt zu halten, sodass ihre Exportleistung schnell auf organisatorische oder finanzielle Hindernisse stößt, insbesondere, weil die Liquiditätssituation weiterhin angespannt ist, und der griechische Bankensektor anfällig und risikoscheu bleibt.[12]

 

[11] GTAI // Griechische Wirtschaft wächst moderat / https://www.gtai.de/de/trade/griechenland/wirtschaftsumfeld/griechische-wirtschaft-waechst-moderat-252664

[12] Euler Hermes / https://www.eulerhermes.com/en_global/economic-research/country-reports/Greece.html  

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